Aquarena (Film Still)

Aquarena

A 2007, 35mm, Farbe, 19 min
Regie, Buch und Schnitt: Josef Dabernig, Isabella Hollauf
Kamera: Christian Giesser
Stimme: Heidi Stecker
Musik: Michael Moser
Tongestaltung: Michael Palm
Darsteller: Josef Dabernig, Isabella Hollauf
Produktion: Josef Dabernig
Förderung: if innovative film Austria, ORF Film/Fernsehabkommen

Synopsis

Two people bathe in two separate locations. Their swimming creates the backdrop for an excursion into the cultural, biological and technical dimensions of the world of water. A village swimming pool and a time-worn health spa resort merge together with the tones of a violoncello and historical texts on keeping water clean. (Josef Dabernig/Isabella Hollauf)

Zwei Personen baden an unterschiedlichen Orten. Ihr Schwimmen unterlegt einen Exkurs in kulturelle, biologische und technische Welten des Wassers. Das Schwimmbad mitten am Dorfplatz und die Patina einer Kuranstalt verschmelzen mit Klängen des Violoncello und historischem Textmaterial zur Reinhaltung der Gewässer.

Josef Dabernig / Isabella Hollauf

Der große Ziehbrunnen ist einer barocken Andachtskapelle nachempfunden, ein anderer Brunnen möbliert gleichsam als Sarkophag die seltsam anmutende Leere einer Gassenkreuzung und ein weiterer, kleiner Trog schmiegt sich an die Pflanzenpracht einer Gartenanlage. Wasser und Blumen dominieren ein Dorf ohne Kaufhaus und ohne Gasthaus. Das Kommunale scheint hier das Private zu sein. Zentrum des Ortes ist ein Schwimmbad, direkt am Hauptplatz; mit Liegewiese, Dusche und einer Bushaltestelle unmittelbar am Beckenrand.

Eine Frau nimmt ein Bad, im Rund der schmucklosen Hausfassaden macht sich ihre Präsenz surreal aus. Wie ein Meditieren zieht sie ihre Kreise im Wasser. In das Kontinuum dieser Übung werden - Tagtraumsequenzen gleich - Dorf-Wasser-Bilder eingeschnitten: Zwei Hl. Florians, Hausfassaden an der Straße, das seltsame Mobiliar der neuen Klärschächte oder eine Email-Badewanne mit Plastiksessel und Windräder am Horizont. Die Frau schwimmt sich durch einen Kosmos von Wasserbildern, schwimmt weniger durch eine Idylle als durch die unverblümte Modernisierung am Land.

Vor einem Thermalbrunnen kreuzt ein betagtes Zwillings-Double mit knallig gelben Plastiksäcken die Kamera, bei der Einhausung der Pumpe könnte es sich durchaus um das Fragment eines verwunschenen Schlosses handeln und die oberirdisch im Wirrwarr geführten und nur notdürftig isolierten Wasserrohre lassen Erinnerungen an Industriearchäologie aufkommen. Der Thermalpark eines Kurorts zeigt sich just im Moment seiner Transformation. Die Wege sind frisch renoviert, aber das Dazwischen ist von Geschichte und Desinteresse patiniert.

Ein Mann geht ins hoteleigene Bad, im Schatten der Hochhausfassaden nimmt sich seine Präsenz surreal aus. Langsam und selbstverloren misst er geometrische Muster in das dampfende Becken. Auch hier sind spezifische Wasser- und Ortsbilder, etwa Thermalarchitekturen, eingeschnitten. Den primär kreisförmigen Bewegungen der Schwimmenden entspricht nun zunehmend ein Spiel der Achsen, Fluchten und Geraden.

Josef Dabernig / Isabella Hollauf

A detail of an image is often sufficient to evoke an archetypical vision: St. Florian’s bucket, for example, which the saint emptied over a burning house. The camera pans from this detail of an Alpine-style wall painting to a firehouse—with subtle dripping in the background—and there it is, the archaic concept of water, which baptizes and feeds and helps things grow and protects.
Josef Dabernig and Isabella Hollauf’s Aquarena—a combination of the words aqua and arena—approaches the link between water and (the public) space with a certain amount of fondness. The camera sweeps over concrete containers and rusty pipes, drinking fountains and water tanks. It shows water as an element which is lovingly cared for, has been made useful and, in the final analysis, which bonds. But the concrete already has some cracks. Algae is spreading. Streets and squares are abandoned except for two swimmers, the directors, who do laps in the blue pool. At the same time the film’s structure, like the reflection on the water’s surface, is arranged in the form of a mirror image: In the first part the woman glides from right to left, and after a black frame the man swims from left to right. One expects that they will meet at an imaginary axis in the film’s center.
A cello, dripping water and the city of Leipzig’s 1974 Water Act are united in a composition on the soundtrack: “Wasting water contradicts the Socialist principle of rigorous economy.” The fountain outside the gate is a myth of romanticism. There’s pruning and administration in every community. And in spite of that fact all pools are still painted blue, like in a child’s drawing. The concept of water is related to that of the sky, which one can truly discover, as Dabernig does, while floating on your back.

Maya McKechneay for sixpackfilm

Um eine archetypische Vorstellung wachzurufen, genügt oft schon der Ausschnitt eines Bildes: der Eimer von St. Florian zum Beispiel, den der Heilige über ein brennendes Hausdach leert. Von diesem Detail einer Lüftelmalerei schwenkt die Kamera auf eine Feuerwehrgarage – im Hintergrund dezentes Tröpfeln – und schon ist sie da, die urtümliche Idee des Wassers, das tauft und nährt und wachsen lässt und schützt.
Nicht ohne Zuneigung nähert sich Josef Dabernigs und Isabella Hollaufs Aquarena – eine Zusammenziehung von Aqua und Arena – der Verbindung von Wasser und (öffentlichem) Raum. Die Kamera streift Betongefäße und verrostete Rohrleitungen, Trinkbrunnen und Tanks. Sie zeigt Wasser als ein umhegtes, dienstbar gemachtes und letztlich verbindendes Element. Doch der Beton hat bereits Risse. Eine Alge macht sich breit. Straßen und Plätze sind verlassen, bis auf zwei Schwimmer, die Regisseurin und den Regisseur, die blau gestrichene Wasserbecken mit ihren Körpern durchmessen. Dabei ist auch die Struktur des Films, wie der Reflex an der Oberfläche des Wassers, als Spiegelung arrangiert: Im ersten Teil gleitet die Frau schwimmend von rechts nach links, nach einem Schwarzbild dann der Mann von links nach rechts. Im Grunde müssten sie sich treffen, an einer gedachten Achse im Zentrum des Films.
Auf der Tonspur vereinen sich Violoncello, Wassertropfen und die Leipziger Gewässerordnung von 1974 zur Komposition: „Die Verschwendung von Wasser steht im Widerspruch zum sozialistischen Prinzip der strengen Sparsamkeit.“ Der Brunnen vor dem Tore ist ein Mythos der Romantik. Wo Gemeinschaft ist, da wird verwaltet und gestutzt. Und trotzdem wird auch heute jede Poolwand blau gefärbt, wie auf der Zeichnung eines Kindes. Die Idee des Wassers ist der des Himmels verwandt, den man, wie Dabernig auf dem Rücken treibend, erst so richtig entdeckt.

Maya McKechneay für sixpackfilm