excursus on fitness (Josef Dabernig)
excursus on fitness (Josef Dabernig)
excursus on fitness (Josef Dabernig)
excursus on fitness (Josef Dabernig)

excursus on fitness

A 2010 – Digi Beta, s/w, 12 min
Regie, Buch und Schnittkonzept: Josef Dabernig
Kamera: Christian Giesser
Avid Schnitt: Daniel Hamersky
DarstellerInnen: Anna Dabernig, Josef Dabernig, Wolfgang Dabernig, Isabella Hollauf, Ingeburg Wurzer, Otto Zitko
Produktion: Josef Dabernig und MAK Wien

Synopsis

Six female and male performers in various stages of life and states of physical fitness perform simple physical exercises. In doing so, the focus is less on achievement and physical training as such than it is on the disciplining of – and an existential relationship to – the body. In this tableau-like staging, communication within the group is frozen into a geometry of gestures and gazes.

Josef Dabernig

Sechs DarstellerInnen mühen sich in bescheidenem Ambiente an einfachen Übungen. Es geht weniger um Leistung, als um ein existenzielles Verhältnis zum Körper per se. Das Miteinander und die Kommunikation frieren in der tableau-artigen Inszenierung zur Geometrie der Gesten und Blicke.

Josef Dabernig

Reviews

Wohltuend unenthusiastisch präsentieren sich die Darsteller in Josef Dabernigs Film „Excursus on Fitness“, eigens für die gleichnamige Ausstellung in der MAK-Galerie produziert, beim Work-out. Die großteils minimalistischen Turnübungen, von Familienmitgliedern des Künstlers, Freunden aus dem Kunstfeld sowie Dabernig selbst in einem unglamourösen Tanzsaal mit Blick auf einen Wiener Gemeindebau betrieben, stellen die Antithese zu den trendigen Fitnesstempeln und ihrer körperfixierten Klientel dar. Die Idealisierung des durchtrainierten Bodys und die damit üblicherweise einhergehende Denunzierung all derer, die diesem Leitbild nicht entsprechen, findet bei Dabernig naturgemäß nicht statt. Stattdessen lenkt er den Fokus innerhalb der tableauartigen Inszenierung subtil auf die, so der Begleittext, „Geometrie der Gesten und Blicke“ der Beteiligten und erzeugt auf diese Weise im Zusammenspiel mit den räumlichen Gegebenheiten der Turnhalle eine Architektur der Körper: etwa wenn bestrumpfte Beine ins Zentrum des Blickfelds gerückt werden und sich die Augen der Protagonisten auf den Betrachter richten. Dabei setzt Dabernig bewusst auf eine ambivalente Grundstimmung: Ob die Beteiligten nun Befriedigung aus ihren sportlichen Verrichtungen ziehen oder sich nur widerwillig auf die Übungen einlassen, bleibt unklar...

Susanne Jäger
artmagazine, 2.5.2010

The actors in Dabernig’s film “Excursus on Fitness” present themselves pleasantly un-enthusiastic while doing their workout. The film was produced especially for the same-named exhibition at the MAK. The largely minimalistic exercises are performed by Dabernig’s family members, artist friends as well as Dabernig himself in a bleak gym with a view onto a Viennese block of council flats, constituting the antithesis to the trendy fitness studios and their body-fixated customers. The idealisation of athletic bodies, which is usually accompanied by the denunciation of those who do not meet these standards, is evidently not Dabernig’s topic. Instead he directs the focus on the “geometry and gestures and glances” of those involved, and, together with the spatial givens of the gym, creates an architecture of bodies. Dabernig consciously centres on an ambivalent sentiment: it remains unclear if the actors enjoyed the sportive activities or undertook them unwillingly...

Susanne Jäger
artmagazine, 2.5.2010

... Wem es in „Excursus on Fitness“ gelingt, sich nicht von der raumfüllend-penetranten Omnipräsenz des Eso-Wohlfühl-Geplätschers des österreichischen Ambient-Artisten Gandalf betäuben zu lassen, kann sich von dem neu für die Ausstellung produzierten Film für das geheime Leben sensibilisieren lassen, das – trotz aller Fabrikneuheit – den rätselhaften Turngeräten innewohnt. Während der knapp zwölf schwarz-weißen Filmminuten entwickelt der Künstler ein Tableau des Gebrauchs, des Rituals, der Disziplinierung: In einem Fitnessstudio, von einem misslaunig dreinsehenden Trainer überwacht, wird uns eine Gruppe verschiedener Protagonisten beim ausdauernden Absolvieren sportlich-gymnastischer Übungen vorgestellt.
Die Kamera widmet sich dabei allerdings weniger den einzelnen Akteuren als der rituellen Spezifik jenes diszipliniert-sportlichen Tuns. Geradezu als Menschmaschinen erscheinen die Turner, die ihrerseits von ihren Sportartikeln, von der Gymnastikmatte über die Hantel bis hin zum Fahrrad, buchstäblich bedient werden. Ja, die bereits vom spezifischen Sportdress, wie es die Benutzung eines Hometrainers zu erfordern scheint, konditioniert sind. Die tonlos aufgezeichnete filmische Choreografie unheimlich spezifischer Tätigkeiten korreliert aber plötzlich mit der unbehaglichen Latenz, wie sie die Ausstellungssituation als Ganzes abstrahlt. Dieser Effekt trägt uns einmal mehr Josef Dabernigs sehr spezifischen Umgang mit den Registern des Skulpturalen und Installativen an, bei dem die Grenze zwischen Kunst und Leben, aber auch zwischen Bild und Wirklichkeit, bestürzend ungeklärt bleibt. Und vielleicht deshalb umso wirkungsvoller ist.

Hans-Jürgen Hafner
artnet, 15.5.2010

Körperertüchtigung als existenzielles Ballett: Josef Dabernigs gewitzter „Excursus on Fitness“.
Die Kurzfilme des Künstlers Josef Dabernig haben eine angenehm meditative und mysteriöse Stimmung. Erst allmählich erschließt sich die außergewöhnliche Sorgfalt ihrer Komposition, verborgen unter einem schmähstaden Sinn für Humor und einem beiläufigen Zug zum Rätselhaften. Es sind verblüffende Balanceakte, in denen sich das Physische und das Vergängliche verschränken. Auch das stumme, titelgebende Video im Zentrum von Dabernigs MAK-Installation Excursus on Fitness hat diese Qualität: Körperertüchtigung wird darin zu einem merkwürdigen existenziellen Ballett.
In einer Tanzhalle im dritten Bezirk werden diverse Übungen absolviert. In bewährter Manier greift Dabernig auf Freunde und Familie als Darsteller zurück, der Künstler selbst trainiert ebenfalls mit. Ein Zweiter, Otto Zitko, überwacht souverän die Betätigungen von seinem Computersitzplatz aus (auf dem Bildschirm hat er, wie sich zeigt, das Drehbuch zu Excursus on Fitness). Solche strukturellen Kunstgriffe, die ähnlichen Bewegungsmuster, das Arrangement der Figuren und das Wechselspiel von schön schäbiger Außen- und Innenarchitektur liefern vielfältige Spiegelbilder und einen Eindruck von Ordnung. Die gleichförmige, aber wortlose Tätigkeit verstärkt indes zusehends einen paradoxen Eindruck von Erstarrung: Ein Schwarz-Weiß-Tableau konditionierter Einsamkeit. Ein typisches Dabernig-Motiv ...

Christoph Huber
Die Presse, 10.4.2010