WARS (Film Still)

WARS

A 2001, 16mm, s/w, 10 min
Regie, Buch, Schnitt, Ton und Produktion: Josef Dabernig
Kamera: Christian Giesser
Darsteller: Josef Dabernig, Ingeburg Wurzer, Otto Zitko

Synopsis

Business is at a standstill in the dining car of a long-distance train. The waiters, waitresses and cook bide their time, conveying the indifferent lethargy of exhaustion and a loss for what to do. They lounge around in their bright uniforms like a ship’s crew in the hot sunshine; non-communicative as they are, they are hardly more than part of the furniture. Their uniforms and the appointments of the train car – as a symbiosis of modernist clarity with a hint of folkloric accents – contrast with a colonialist-looking potpourri of chips, nuts, chewing gum and beverages appealingly presented. Every action seems passive, conditioned by the train car, the state of the tracks, the route, the ambient climate, etc. And yet, one person seems to be taking care of some important written work! Balance sheets or sales (?) are typed into a calculator. Otherwise, there’s only sitting and waiting amidst wafts of smoke, while the landscape rushes by on fast forward behind the curtains. Finally, some life comes into the car: not customers – no – but the cleaning equipment is fetched, mops and buckets at the ready. The trip seems to be coming to an end – how else to explain the excessive mopping and polishing into which the three now plunge themselves, first standing, then on their knees and under the tables.

Josef Dabernig

Geschäftsflaute im Speisewagen eines Fernzuges: Kellnerin, Kellner und Koch harren der Dinge und vermitteln das indifferente Phlegma von Erschöpfung und Unterbeschäftigung. Sie lümmeln in der unruhigen Garnitur wie eine Schiffsbesatzung in der Sonnenglut; kommunikationsarm wie sie sind, stellen sie kaum mehr als die Erweiterung des Interieurs dar. Die Dienstkleidung des Personals und die Ausstattung des Wagens - als Symbiose von modernistischer Klarheit und leicht folkloristischen Akzenten - kontrastieren mit einem kolonialistisch anmutendem Potpourri aus Chips, Nuts, Kaugummis und Getränken in Form eines Präsentierarrangements.

Jede Aktion erscheint passiv, durch das Fahrwerk, die Gleisbeschaffenheit, die Streckenführung, das Raumklima usw. konditioniert. Doch scheint eine der Personen wichtige Schreibarbeiten zu erledigen! Bilanzen, Umsätze(?) werden in einen Rechner getippt. Ansonsten nur Sitzen und Warten in Rauchschwaden, während die Landschaft fast forward hinter den Gardinen vorbeizieht. Spät, aber doch, kommt Leben in den Waggon: Keine Kundschaft – nein - aber die Putzmittel werden geholt, Kübel und Fetzen vorbereitet. Die Fahrt scheint zu Ende zu gehen, wie sonst wäre das exzessive Wischen und Polieren der Drei, zuerst stehend, dann auf den Knien und unter den Tischen zu erklären.

Josef Dabernig

Reviews

... Stark auch ein Film des Wieners Josef Dabernig, der einen polnischen Speisewagen zeigt: endlos rollend, ohne Gäste, ohne Worte, die bildgewordene Tristesse des Seins. ...

Peter Guth - Leipziger Volkszeitung, 2003

Precisely framed black & white images laconically depict a restaurant car's Formica charm as a moving microcosm: a service job as scheduled monotony.

41st Ann Arbor Film Festival, 2003

... Eine Überlebensstrategie, die erstmals nicht durch Aktivitäten gekennzeichnet ist, sondern das objekthafte, automatisierte positioniert Sein in systematischen Abläufen vorführt. Nicht subjektives Eingreifen, sondern planmäßiges Abwarten, das durch den Verdrängungsmechanismus des Saubermachens in einem finale furioso abgelöst wird.

Sabine Winkler
(Überlebensstrategien für Untrainierte,
Kunst- und Medienzentrum Adlershof, Berlin 2003)

... Josef Dabernig konstruiert Modelle: als abstraktes Modell mathematischen Vorgaben gehorchend, oder als soziales, in der Beschreibung von ritualisierten Abläufen zwischen drei Personen, dem „wirklichem Leben“ täuschend ähnlich. ...

Sylvia Eiblmayr, Thomas Feuerstein
Variable Stücke; Galerie im Taxispalais, Innsbruck 2002

... Die spannendsten zehn Diagonale-Minuten des vermeintlichen Sich-nicht-Ereignens steuerte diesmal Josef Dabernig bei: „WARS“. Ein Speisewagen in Schwarz-Weiß, sich langweilende Kellner, Koch und Kellnerin, Aufwaschen, Abrechnen, dazu als Soundtrack das Reisegeräusch des Zugs. Lapidar, lakonisch, subtil kadriert, auf vertrackte, unaufdringliche Weise mysteriös. ...

Christian Cargnelli
Halt dich rein, halt dich raus, Falter 13/02